Und wenn mein Kind behindert ist?

Wenn mein Kind behindert ist?

Behindertes Kind (© philidor - Fotolia.com)

Ängste und Unsicherheiten werdender Eltern

 

Die Herausforderung

Sobald Eltern erfahren, dass ihr Kind evtl. eine Behinderung hat, tritt natürlich große Angst und Unsicherheit ein. Erhalten sie Gewissheit, kommt meist die Angst, der Situation nicht gewachsen zu sein, hinzu.

  • Warum gerade wir?
  • Was haben wir denn falsch gemacht?
  • Habe ich mich in der Schwangerschaft falsch verhalten?
  • Wir sind nicht perfekt, haben krankes Erbgut in uns, was wird unser Umfeld (z. B. Nachbarn, Bekannte, Freunde) denken?
  • Wie wirkt sich die Behinderung unseres Kindes auf unser Leben aus?
  • Sind wir der Situation überhaupt gewachsen?
  • Können wir keine "gesunden" Kinder (mehr) zur Welt bringen? ...

Dieses sind nur einige Fragen und Gedanken, die die Eltern in der Anfangszeit plagen.
Angst, Unsicherheit, Schuldgefühle, Zweifel, Scham, Einbrüche im eigenen Selbstwertgefühl und dies alles, obwohl sich die Eltern doch so auf das Kind gefreut haben.
Hinzu kommt unter Umständen noch die Unsicherheit der Betroffenen, da sie vielleicht zum ersten Mal Eltern geworden sind.

Vorbilder können Mut machen, Sicherheit bieten, Kraft vermitteln

Um einen individuellen Umgang mit der anfangs sehr ungewohnten Situation zu finden, möchte ich Eltern ermutigen, sich Unterstützung zu holen.
Ausdrücklich betonen möchte ich, dass ich es für wichtig erachte, die aufkommenden Gefühle ernst zu nehmen, sich mit anderen darüber auszutauschen und sich seiner Gefühle nicht zu schämen. Haben Eltern mit einem behinderten Kind den Mut zur Offenheit, werden sie sofort merken, dass sie mit ihren widersprüchlichen Gefühlen – die auch von Abneigung gegenüber dem neugeborenen Kind geprägt sein können – nicht alleine sind.
Betroffene Eltern teilten mir mit, dass sie gerade in der Anfangssituation ihr eigenes soziales Netz als sehr wertvoll und hilfreich empfanden. 

Das Unterstützungsangebot ist in den Städten sehr unterschiedlich. Hier einige allgemeine Hinweise:

In den meisten Städten gibt es sogenannte Frühförderstellen. Diese Einrichtungen versuchen dem Kind neue Reize zu bieten und es zu fördern. Gleichzeitig bieten die MitarbeiterInnen den Eltern z. B. durch Gespräche - Hilfestellung und wichtige Informationen. Über diese Einrichtungen können Eltern auch Kontakt zu gleichermaßen betroffenen Eltern erhalten.

Zudem gibt es für die meisten Behinderungsarten auf Orts- oder Landes-Ebene einen Zusammenschluss. Hier finden betroffene Eltern Unterstützung, z. B. Hilfestellung bei evtl. notwendiger Beantragung von Sondermaßnahmen oder Hilfsmitteln. Selbsthilfekontaktstellen, Krankenkassen oder Behindertenbeauftragte können betroffenen Eltern entsprechende Beratungsstellen oder Zusammenschlüsse nennen. Natürlich bietet in diesem Zusammenhang auch das Internet eine weitere Informationsquelle.

Gesundheitsämter verfügen ebenfalls bisweilen über eine Beratungsstelle für Eltern von Kindern mit einer Behinderung.
Vielen Eltern vermittelt es Sicherheit, einmal einen erwachsenen Menschen mit der Behinderung ihres Kindes zu treffen. Auch hier können die genannten Ansprechpartner sowie das Hessisches Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung weiterhelfen.

Natürlich ist es für manche Situationen nützlich, sich Rat und Hilfe zu holen. Doch möchte ich betroffene Eltern dazu ermutigen, sich nur so lange wie nötig von der „normalen Welt“ zurückzuziehen. Behinderung gehört zum Leben dazu, warum sollten betroffene Eltern nicht genau wie Eltern mit einem nichtbehinderten Kind z. B. an Rückbildungskursen nach der Schwangerschaft teilnehmen?

Meine beruflichen Erfahrungen zeigen mir, dass das behinderte Kind mehr Schwierigkeit in seiner Lebensbewältigung hat, je stärker sich die Eltern aus dem „normalen Leben“ zurückgezogen und mit dem Kind abgesondert haben. Auch teilten mir viele betroffene Eltern mit, dass für sie die Situation und der Umgang mit ihrem Kind leichter wurden, als sie versuchten, ihr bisheriges Leben so normal wie möglich weiterzuleben.

Dies ist sicher einfacher geschrieben als getan, doch hoffe ich, dass meine Ausführungen einige hilfreiche Informationen und Hinweise enthalten und betroffenen Eltern Mut machen, die anfängliche Herausforderung, mit einem behinderten Kind ein normales Leben zu führen, anzunehmen.

Rita Schroll (Hessisches Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung)

Auf der Körnerwiese 5
60322 Frankfurt am Main
Telefon 069-955 262 36
Telefax 069-955 262 38
E-Mail: hkfb@paritaet-hessen.org
Internet: http://www.paritaet-hessen.org

 

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