Sexuelle Gewalt

Missbrauch

Traurige Frau (Quelle TK)

Behinderte Frauen sind häufig Missbrauchsopfer

Wegen ihrer scheinbaren Wehrlosigkeit werden behinderte Frauen und Mädchen schneller Opfer von sexuellen Übergriffen. Auch sind sexuelle Übergriffe gegen Mädchen und Frauen mit Behinderung durch Ärzte und Orthopäden – z. B. beim Anpassen von Beinprothesen, keine Seltenheit.

Die Gefahr, Opfer von sexueller Gewalt zu sein, steigt, sobald bekannt ist, dass Frauen mit einer sog. geistigen Behinderung sterilisiert sind. Mögliche Täter wissen, dass eine Vergewaltigung „folgenlos“ (ohne Gefahr einer Schwangerschaft) bleiben wird.

Von sexuellen Gewalterfahrungen zu berichten, erfordert Mut. Tief sitzt die berechtigte Angst, die Familie oder Einrichtung - in der die jeweilige behinderte Frau lebt - verlassen zu müssen, ohne eine lebbare Alternative zu finden. Hinzu kommt, dass es – je nach Behinderung der Frau – oft sehr schwer sein kann, Erfahrungen mit sexueller Gewalt auszudrücken.

Haben Frauen mit einer Behinderung aber dennoch die Möglichkeit und den Mut, Anzeige zu erstatten, erleben sie noch häufiger als nichtbehinderte Frauen, dass ihnen nicht geglaubt wird. Allgemein wird angenommen, dass „so eine“ doch sowieso keiner anrührt. Oft wird dann sogar von Übertreibung oder heimlichem Wunschdenken geredet.

Erst 2003 wurde das Sexualstrafrecht reformiert. Das Strafmaß von Vergewaltigungen an widerstandsunfähigen Frauen wurde an das übliche Strafmass von mindestens 2 Jahren angepasst. Ebenso kann nun auch das Personal von teilstationären Einrichtungen (z. B. Werkstätten für behinderte Menschen, oder Tagesförderstätten) bestraft werden, wenn es sexuelle Handlungen an Personen vorgenommen hat. Dies galt bisher nur für vollstationäre Einrichtungen.

Diese längst notwendig gewesene Reform bedarf jedoch aus Sicht der Frauen mit Behinderung noch Nachbesserungen. So fehlt die klare Feststellung in § 179 StGB, dass „behindert“ nicht gleich „widerstandsunfähig“ ist. Auch ist eine Verankerung desselben Strafmasses bei sexuellen Handlungen für alle Frauen, auch wenn diese als widerstandsunfähig eingestuft werden, dringend notwendig.

 

von Rita Schroll (Hessisches Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung)

Bildquelle: Techniker Krankenkasse

 


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