Neue Studie

Online-Befragung

O_Sprechblase Barrierefreiheit (© Frédéric Massard - Fotolia.com).jpg

In Hessen sollen alle Beratungs- und Schutzeinrichtungen barrierefrei werden

Es ist deutlich, dass Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung in besonderem Maße durch Misshandlung an Lebensqualität und Teilhabechancen einbüßen und dass der Zugang zu Schutz und Unterstützung durch Barrieren erschwert ist. Dies war der Anlass, eine aktuelle Bestandsaufnahme der Unterstützungseinrichtungen in Hessen durchzuführen, um eine Planungsgrundlage für deren Weiterentwicklung zu erlangen. Im Spätherbst 2013 und in 2014 führte die University of Applied Sciences Frankfurt in Kooperation mit dem Landesverband der pro familia Hessen und im Auftrag des Hessischen Ministerium für Soziales und Integration eine Bestandsaufnahme sowohl zur Barrierefreiheit als auch zum Bedarf an Fortbildung und Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden in Beratungs- und Schutzeinrichtungen durch. Zudem galt es, das Interesse an Vernetzung mit den Behinderteneinrichtungen und ggf. den Bedarf an Investitionsmaßnahmen festzustellen.

Fokus der Untersuchung war ausschließlich die Arbeit mit Erwachsenen. Erreicht werden sollten sämtliche Organisationen in Hessen, die mit von Gewalt Betroffenen und/oder Gewalt Ausübenden im erwachsenen Alter arbeiten, auch solche, die nicht ausschließlich auf den Umgang mit Gewaltproblematiken spezialisiert sind. Es wurden folglich alle Anlaufstellen, Unterstützungs- und Zufluchtseinrichtungen, die im Falle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt denkbar aufgesucht werden können, wozu auch beispielsweise der Kinderschutzbund gehört, Anlaufstellen für Beratung von Menschen mit Gewaltproblemen (vornehmlich Männerberatung und Täterarbeitsprojekte) sowie die pro familia Beratungsstellen in Hessen um Mitwirkung gebeten.

Die Befragung wurde nicht-anonymisiert durchgeführt, denn Ziel war auch, eine barrierefreie BERATUNGSLANDKARTE (Adressenverzeichnis) der Anlauf- und Beratungsstellen sowie Zufluchtmöglichkeiten mit einer detaillierten Darstellung der jeweiligen Angebote an Barrierefreiheit erstellen zu können. Ein standardisierter Online-Fragebogen wurde eingesetzt, der mit dem parallel stattfindenden europäischen Daphne-Projekt "Zugang von Frauen mit Behinderungen zu Opferschutz- und Unterstützungseinrichtungen bei Gewalterfahrungen" abgestimmt wurde, um mit den hessischen Ergebnissen auch zum Mehrwert jenes Projekts beizutragen. Die Antworten wurden zusätzlich verifiziert, um Veränderungen, Fehler und Ergänzungen bis zum Jahresende 2014 zu erfassen und die Einrichtungen wurden um Zustimmung zur Publikation der Daten gebeten (Freiwilligkeitsprinzip).

Von 187 angesprochenen Einrichtungen haben insgesamt 112 ihr Einverständnis mit der Aufnahme in der Beratungslandkarte erklärt; die Verifizierung von fünf Einrichtungen stehen aktuell noch aus. Die Landkarte wird in Kürze onlinebasiert publiziert und soll in einfacher Sprache bereit gehalten werden. Die Aktualisierung der Daten ist beabsichtigt, um mit der Weiterentwicklung der Barrierefreiheit standzuhalten.

Ausgewählte Studienergebnisse: in 95 % der erreichten Einrichtungen sind Klintinnen und Klienten mit Behinderung vertreten. Fest steht, dass in der Praxis Handlungsunsicherheit zu Barrieren in der Versorgung von Behinderten führt. Die Einrichtungen unterstreichen, dass sie einen hohen Unterstützungs-  und Beratungsbedarf haben und Kooperation mit der Behindertenhilfe wünschen. Es sind nur wenige Beratungsangebote für gewaltausübende Frauen und Männer mit Behinderungen vorhanden. Insgesamt ist nur wenig Barrierefreiheit ersichtlich. Knapp die Hälfte der Einrichtungen verfügt über eine barrierefreie Homepage. Die gezielte Ansprache von Behinderten erfolgt nur in Ausnahmefällen. Während Angebote für Menschen  mit Lernschwierigkeiten und sogenannter geistiger Behinderung dank vorhandener Materialien Eingang gefunden haben, sind Angebote für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen wenig ausgeprägt. Angebote für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen sind besonders selten. Die direkte Kommunikation und Beratung in Gebärdensprache bietet nur eine Einrichtung an, mit Ausnahme einer Einrichtungen fehlen Leitsysteme für blinde Menschen gänzlich. Regelmäßige Beratungssprechstunden in voll- und teilstationären Einrichtungen der Behindertenhilfe durch externe Beratungsstellen sind rar; knapp 1/3 der erreichten Einrichtungen bieten aufsuchende Angebote bei Bedarf an.

Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme zum Bedarf an Fortbildung und Qualifizierung sowie an Vernetzung unter Einrichtungen in der Region wurden in einem fachübergreifenden Dialogprozess reflektiert, der noch andauert. Hierzu fanden 2014 mehrere Vernetzungsgespräche statt, in denen erstmals in Hessen auf die Gewaltschutz und -prävention spezialisierten Anlaufstellen zusammen mit Behinderteneinrichtungen, -werkstätten und -interessenvertretungen das Potential an Kooperation ausgelotet haben. Es wird angestrebt, Konzepte für eine kontinuierliche Fortbildung und Weiterqualifizierung zu erarbeiten, die sich nach den konkreten Bedarfen der Praxis richten und zugleich die Vernetzung lokal und regional fördern. Allenthalben ist das Interesse an Weiterqualifizierung im juristischen Bereich und Kommunikationstechniken wie auch die Investition in Umbaumaßnahmen recht groß. Die Bereitschaft, sich durch eine verlässliche Vernetzung gegenseitig zu unterstützen, ist auch gegeben.

 


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